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12.04.2017

Museumsreform Teil 2: Wie können Fehlentwicklungen laufend korrigiert werden?

Warum die Aufsichtsräte der Museen Kuratorien heißen, weiß niemand. Vielleicht, weil sie nicht ganz wie richtige Aufsichtsräte agieren. Zwar sieht das aktuelle Museen-Gesetz Analogien der Kuratorien zum GmbH-Gesetz vor. In der aktuellen Rechtslage können sie ihrer Rolle aber nicht gerecht werden. Einerseits soll das Kuratorium die Geschäftstätigkeit des Museums laufend prüfen, andererseits fehlen ihm dafür die rechtlichen Möglichkeiten.

Natürlich könnte die Kontrolle auch vom Ministerium übernommen werden. Aber entweder übernimmt das Ministerium die Aufsicht und damit die Verantwortung, oder die Geschäftsführungen der Museen werden von unabhängigen Fachleuten kontrolliert.

Die aktuelle Form ist eine hybride, zahnlose Mischung. Ohne Hörner werden die Kuratorien lediglich zu Prellböcken, die dafür herhalten müssen, wenn etwas schief geht. Bei Unregelmäßigkeiten schaffen sie der Regierung eine Möglichkeit, die Verantwortung abzuschieben.

 

Negativbeispiel Burgtheater

Wie eine „tibetanische Gebetsmühle“ hat der ehemalige Budgetsektionschef im Finanzministerium, Gerhard Steger, als Aufsichtsrat in der Bundestheater Holding Konsolidierungsmaßnahmen eingefordert. Nicht nur für das Burgtheater. Für alle Bühnen. Warum wartet die Geschäftsführung, bis der Karren an die Wand fährt? Warum ergreift sie  keine Maßnahmen, um die Budgets mittelfristig zu sichern? Er konnte nur warnen. Sonst nichts. Das Burgtheater ist an die Wand gefahren.

 

Wie sieht effektive Kontrolle aus?

Für die effektive Kontrolle braucht das Kuratorium Kompetenzen und Aktionsmöglichkeiten. Zu allererst müsste es für die Genehmigung des Jahresabschlusses zuständig sein.

Es müsste sodann bei der Bestellung der Geschäftsführung stärker eingebunden werden. Die Auswahl könnte, von der jetzt aktuellen Einzelentscheidung des Ministers abweichend, nach Beratungen im Kollegialorgan unter Beteiligung des Ministers erfolgen. Das würde die Findungskommissionen überflüssig machen, die für ihre Vorschläge ja nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Um ihrer Verantwortung gerecht werden zu können, sollten die Kuratoriumsmitglieder weiters adäquat entlohnt werden. Sie müssen umgekehrt aber auch haftbar sein.

Für all das reicht ein Gremium mit maximal fünf Mitgliedern, die sich aus ihrer Mitte den Vorsitz wählen. Diese Fünf allerdings müssen nach fachlichen Kompetenzen und unabhängig von Regierung und Geschäftsführung ernannt werden.

Modalitäten zur Besetzung, wie sie bei den Universitätsräten in der Wissenschaft gesetzlich ist, wäre eine Variante zur Verbesserung der Situation. Denkbar wäre aber auch ein Pool an entsprechend qualifizierten Persönlichkeiten, die per Losentscheid den Aufsichtsorganen der einzelnen Museen zugeteilt werden. Wer in den Pool kommen kann, muss durch einen klaren Kriterienkatalog geregelt sein.

 

Im Newsletter morgen beschäftigen wir uns mit der inhaltlichen Ordnung der Museumslandschaft: Wo wird was geboten und wer reguliert im Interesse einer Gesamtstrategie?

11.04.2017

Weiter Warten auf das Weißbuch – Was wird aus der Museumsreform?

„Eines der besten Geschäfte!“, jubelt der Kulturminister. Reste der Sammlung „Essl“ gehen als Leihgabe an ein Bundesmuseum, die Albertina. Die wichtigsten Werke sind bereits verkauft. Der Rest wird nun mit Steuergeldern verwaltet, restauriert, verwahrt, versichert, wissenschaftlich eingeordnet und präsentiert. Bis zum Jahr 2044 zahlt die Republik dafür 30 Millionen Euro und steigert damit zugleich den Wert der Ausstellungsstücke. Es ist wahrlich eines der besten Geschäfte. Für Hans Peter Haselsteiner, den Eigentümer der Sammlung.  

Für die seit Monaten angekündigte Reform der Bundesmuseen war der Deal kontraproduktiv. Er hat aber immerhin das Dilemma der Gesamtplanung einer österreichischen Museenlandschaft deutlicher vor Augen geführt als die Compliance-Fälle der letzten Jahre.

Dass es genügend zu reformieren gibt, wissen wir schon lange. Jetzt warten wir nur noch auf das vom Minister Drozda im Sommer angekündigte und seitdem zweimal wieder verschobene Weißbuch zur grundlegenden Reform.

Eigenartig. Die von ihm eingesetzte  Arbeitsgruppe hat ihre Tätigkeit längst abgeschlossen und irgendwann im letzten Monat  wurden die Ergebnisse dem Minister präsentiert. Aber was  wurde präsentiert? Und warum wird das, was präsentiert wurde, nicht veröffentlicht?  Weil doch wieder nur ein Reförmchen daraus geworden ist? Weil das Reförmchen besser wieder in der Schublade verschwinden sollte, wie ehedem die Reformvorschläge einer Arbeitsgruppe von Ministerin Schmied? Grüße vom  Murmeltier.

Meiner Ansicht nach muss eine vernünftige Reform vier  Fragen behandeln:

Geld                Wie lässt sich das eingesetzte Budget optimal verwenden? 

Kontrolle         Wie können Fehlentwicklungen laufend  korrigiert werden?

Inhalt              Wo wird was geboten und wer reguliert im Interesse einer Gesamtstrategie?

Zugang            Für wen wird das alles gemacht?

 

Teil 1 : Wie lässt sich das eingesetzte Budget optimal verwenden?

 Ein Irrtum der Ausgliederung

Verwalten sich die Museen selbst, funktioniert der Betrieb effizienter und ohne Mehrbelastung des staatlichen Haushalts. Das war das wesentlichste Argument für eine Ausgliederung der Museen aus der staatlichen Verwaltung. Anstelle einer ministeriellen Lenkung sollten die Betriebe eigenständig geführt werden. Zweifelsohne hat die Ausgliederung wesentliche Vorteile nach sich gezogen. Eine budgetäre Erleichterung hat sie mit Sicherheit nicht gebracht.

2003, alle Bundesmuseen waren in ihre Eigenständigkeit  entlassen, hat der Bund für die Bundesmuseen 68,7 Millionen Euro an Basisabgeltung zur Verfügung gestellt. 2017 sind es 87,1 Millionen. Diese Beträge verstehen sich noch ohne die jährlichen 10 Millionen Euro an zusätzlichen Mittel für Investitionen.

Hätte die Republik die Ausgaben für die Museen jährlich an die Inflationsrate angepasst, hätte sie genauso viel gezahlt. Die Bundesmuseen sind also stillschweigend über die Jahre valorisiert worden. Das lässt sich wahrlich nicht von jeder Kultureinrichtung sagen, auch nicht von den Einrichtungen, die vom Bund gefördert werden.

Das Kulturbudget indes wurde nicht im gleichen Ausmaß an die Inflation angepasst. Wir haben es somit mit einer kulturpolitischen Bevorzugung der Bundesmuseen zu tun.

 

Auf wessen Kosten?

Der immer wieder erhobene Wunsch nach einer Valorisierung der Basisabgeltung angesichts steigender Fixkosten ist also ohnehin mehr als Praxis.  Was aber ist mit den anderen kulturellen Einrichtungen? Auch sie haben wachsende Fixkosten. Und der zu verteilende Kuchen wächst nur geringfügig, bis gar nicht.

Gut. Immerhin ist die Republik Österreich Eigentümer der Bundesmuseen und das Hemd ist ihr auch in der Kulturpolitik näher als der Rock.  Aber die Schere zwischen den Ausgaben für die großen Bundesinstitutionen und allen anderen Kultureinrichtungen geht immer weiter auseinander. Damit sie sich nicht weiter öffnet, müsste die Valorisierung der Bundesinstitutionen an die Valorisierung des gesamten Kulturbudgets gebunden sein. Andernfalls ginge die Absicherung der Museen nämlich auf Kosten aller anderen kulturellen Einrichtungen. Längerfristig betrachtet, würde die kulturelle Vielfalt einer Konzentration auf die staatseigenen Großeinrichtungen geopfert werden.

Ist im Museumsbereich aber noch ein Sparpotenzial vorhanden, ohne die Qualität zu verringern? Könnte die Mehrbelastung des Kulturbudgets durch eine ständige Finanzierung der „guten Ideen“ von Direktorinnen und Direktoren auf Kosten anderer Initiativen, Einrichtungen und Kunstschaffenden gestoppt werden.

 

Glänzende Geschäftsführungen

Immer wieder für Unmut sorgen beispielsweise die enorm hohen Gehälter der Direktorinnen und Direktoren.  Die Kritik daran hält schon lange an, dennoch hat sich kaum etwas verbessert.  Manch einer verdient so viel wie der Bundeskanzler. Jedenfalls liegen die Bezüge deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von Geschäftsführungen öffentlicher Einrichtungen in den Bereichen „Kunst, Unterhaltung und Erholung“ so wie der öffentlichen Wirtschaft.

Auch ist der Durchschnittsverdienst aller Geschäftsführungen im Museumsbereich mit 228.000 Euro sechsmal so hoch wie das durchschnittliche Gehalt der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (35.900 Euro).

Und, die Gehälter liegen deutlich über dem internationalen Niveau. Selbst große und prominente Museen zahlen ihren Führungskräften weniger. Während in Österreich  Jahresverdienste bis zu 270 000 Euro ausbezahlt werden, erhält der Direktor im Pariser Louvre 150 000, in Barcelona 130 000 und in der Londoner Tate Modern 120 000 Euro.

Die überzogenen Gehälter werden den Geschäftsführungen vom Minister aufgrund der Verantwortung und der zu erbringenden Leistungen zugestanden. Es ist somit davon auszugehen, dass diese Verantwortungen auch wahrgenommen und die maximalen Leistungen erbracht werden. Wieso erhalten die Führungskräfte darüber hinaus aber auch noch jährliche Prämien?   Das Prämiensystem geht offenbar davon aus, dass es noch zusätzlicher finanzieller Anreize bedarf, um die volle Leistung zu provozieren.

Neben der Reduktion von Gehältern wäre auch die Beschränkung der Amtsperioden sinnvoll. Es hat sich gezeigt, dass sich zu lange Amtsperioden auf das Verhalten der Führungskräfte auswirken. Nach etwa zehn Jahren entsteht  in den obersten Leitungsetagen offenbar eine Tendenz zur Aneignung.  In einer Art Anlehnung an das Gewohnheitsrecht werden die lediglich anvertrauten Institutionen dann zunehmend so verwaltet, als wären sie im persönlichen Besitz der Geschäftsführungen. Eine Verlängerung auf maximal drei Amtsperioden würde dem entgegen wirken.

 

Zweckmäßig, wirtschaftlich, sparsam

Es gibt Bereiche, die in allen Museen in etwa gleich ablaufen. Zentral und museumsübergreifend gestaltet und verwaltet würden sie Einsparungen bringen.

  • Über einen Pool an Aufsichtspersonal kann eine Reduktion der Kosten und ein effizienterer Einsatz gewährleistet werden. Das Technische Museum hat 17 Jahre benötigt, um herauszufinden, dass eine Sicherheitsfirma kostenungünstiger ist    als die interne Aufsicht.  Eine rechtzeitige Umstellung hätte dem Museum über die Jahre etwa drei Millionen Euro eingespart.
  • Auch die EDV ist ein Bereich, in dem Synergien zur Effizienz beitragen.
  • Interne Revision. Der Rechnungshof erachtet die getrennte Führung gleicher Bereiche, insbesondere der internen Revision, als „weder sparsam noch zweckmäßig“. Er empfiehlt den Museen eine übergreifende Zusammenarbeit, um durch die Nutzung von Synergien Know-how zu generieren und Kosten zu sparen.[i]
  • Compliance System. Verstöße gegen Compliance Bestimmungen sollten bei einer, für alle Museen zentralen Stelle (auch anonym) gemeldet werden können. Diese Stelle bearbeitet die vorgebrachten Fälle und entscheidet über etwaige Maßnahmen.
  • Um möglichst objektive und vergleichbare Zahlen zu erhalten oder allfälligen Vorwürfen zuvorzukommen, sollte die Erfassung der Besucherzahlen nach einheitlichen Richtlinien erfolgen und zentral durchgeführt werden.

 

Morgen im Teil 2, beschäftige ich mich mit der Verbesserung der Kontrolle.

 

[i] Bericht des Rechnungshofs. Reihe Bund 2016/2.

24.02.2016

Kommentar zum Haus der Geschichte

Am 2. März wird im parlamentarischen Kulturausschuss das Gesetz zum „Haus der Geschichte“ verhandelt. Ein erstes Konzept war bereits im Oktober vom Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats Oliver Rathkolb vorgestellt und danach von geladenen Fachleuten kritisiert worden. Auch die Abgeordneten der Oppositionsparteien und der ÖVP zeigten sich wenig begeistert. Der danach ausgearbeitete Gesetzesentwurf hat alle Bedenken ignoriert. Demgemäß fielen die Begutachtungen zu diesem Entwurf aus. Rechnungshof und Finanzministerium fanden keine nachvollziehbar berechneten Kosten und das ganze Procedere stünde im Widerspruch zu internationalen museologischen Standards. Nun gibt es eine leicht verbesserte Regierungsvorlage. Viele Fragen bleiben trotzdem offen.

Was?

Gelegentlich sagt die Verpackung etwas über den Inhalt. Manchmal allerdings werden vorrangig Verpackungen verkauft. „Europahaus“, „Haus der Toleranz“, „Museum der Republik“, „Österreichisches Nationalmuseum“, „Haus der Geschichte“, „Haus der Zukunft“. Offenbar weiß niemand so recht, was werden soll. Vergangenheitsbewältigung, Gegenwartsanalyse, Zukunftsvision? Seit Jahrzehnten geht es vor allem um die Bezeichnung. Hauptsache, irgendwas wird.

Wofür?

Die Vergangenheit aufzubereiten, um heute besser zu verstehen, was morgen kommen könnte, macht politische Diskussionen redlich und vernünftig. Je mehr sich an so einem Prozess beteiligen, umso qualifizierter werden die Entscheidungen. Eine gefestigte Demokratie wird daher großes Interesse daran haben, historische Wurzeln zu vermitteln. Braucht sie dafür aber eine weitere museale Institution? Fällt ihr nichts Effizienteres ein als wieder nur eine dieser üblichen hegemonialen Prestigezentralen?

Wie?

An entsprechenden Institutionen mangelt es nicht in Österreich. Würde es nicht reichen, den Landesmuseen, den jüdischen Museen, dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, dem Volkskundemuseum, den Instituten für Zeitgeschichte und vielen ähnlichen Einrichtungen kräftiger unter die Arme zu greifen? Damit das, was sie vorhaben, auch gemacht werden kann?

Flächendeckend und mehr als bisher könnte auch der Zeitgeschichteunterricht in den Schulen verbessert werden – angeknüpft an die jeweils aktuellen tagespolitischen Themen und ausgestattet mit ausgeklügeltem Unterrichtsmaterial.

Ein facettenreiches Geschichtsbewusstsein mit fragmentarischem, stets latentem und konflikthaftem Charakter wäre auch mit geförderten Dokumentarfilmen, in den Medien und über eine Website zu stärken. Dezentral, vielstimmig, reflexiv. Und für all das wäre sogar die Einrichtung eines Koordinationszentrums vorstellbar.

Aber natürlich kann auch ein weiterer Tanker in die ohnehin schwerfällige Wiener Museumslandschaft gepresst und mit Subventionsschläuchen am Leben erhalten werden, ein „ewig untotes Haus der Geschichte, das in Wahrheit niemand wirklich will, denn sonst hätte man es längst gebaut…“, wie Daniela Strigl in der Furche schreibt. Genau dafür wurden in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Arbeitsgruppen beauftragt, Regierungsprogramme formuliert, Diskussionen geführt. Zum Glück ist nichts davon verwirklicht worden.

Der im letzten Jahr verstorbene Zeithistoriker Sigi Mattl hat nämlich davor gewarnt, Konstruktionen von Vergangenheit in einem dafür abgestellten Haus zu musealisieren. So ein Haus ließe die Geschichte erstarren, wäre wie ein Staatskino, das permanent fünf wichtige Filme bringt und einmal im Jahr als Aufputz einen zusätzlichen. Eine Kühltruhe wäre das, in der subjektive Erzählungen eingefroren werden. „Was an dieser Politik verstört, ist die Meinung, den Holocaust im Rahmen eines österreichischen Museums auf dokumentarische Weise und damit scheinbar objektiv repräsentieren zu können“.

Natürlich. Davon ist nicht die Rede. Schon die Arbeitsgruppe von Ministerin Gehrer (VP) vor zehn Jahren hat betont, dass ihr Geschichtehaus „nicht mehr als klassisches Museum vorstellbar“ sei. Und wiewohl damals schon von internationalen Fachleuten und einer Steuerungsgruppe begleitet, hat ihr das niemand abgenommen. Was wie ein Museum aussieht, sämtliche Strukturen eines Museums aufweist und im Museumsgesetz verankert wird – ist ein Museum. In dem letztlich österreichische Identität künstlich produziert wird.

Im Konzept 2006 war eine Dauerausstellung vorgesehen. Mit zusätzlichen „Tiefenbohrungen“ für weiter zurückliegende Ereignisse, mit wechselnden Sonderausstellungen, mit einer Sammlung, Diskussionsplattformen und mit einem Internetportal. Dann haben die Sozialdemokraten die Nationalratswahl gewonnen und das Gehrer-Projekt wurde entsorgt.

Jetzt ist es wieder da. Österreich, so sieht es der Gesetzestext vor, soll eine „Stätte der geistig-kulturellen Identität“ bekommen (Regierungsvorlage hier), mit einer Verpflichtung zur „objektiven wissenschaftlichen Darstellung geschichtlicher Entwicklungen und Ereignisse“. Mit Dauerausstellung, Tiefenbohrungen, wechselnden Sonderausstellungen, mit einer Sammlung, Diskussionsplattformen und einem Internetportal.

Dieses frische Konzept weist zwei gewichtige Unterschiede zum abgelegten auf. Spindoktor damals war der VP-nahe Historiker Stefan Karner und Standort des Geschehens hätte das Arsenal werden sollen. Jetzt ist der SP-nahe Historiker Oliver Rathkolb der Spindoktor und es wird die Hofburg umgebaut. Warum sich das Arsenal für den Zweck nicht mehr eignet, hat bislang noch niemand wirklich erklären können. Was alles gegen die Hofburg spricht allerdings schon. Allein der Transfer der dort ansässigen Musikinstrumentensammlung mit ihren teuren, erst 2011 eingebauten speziell ausgetüftelten Klimaeinrichtungen, wird weit über acht Millionen Euro kosten. Aber das ist nur das Geld.

Wer?

Eine Institution, die sich mit kontroversen Fragen zur Geschichte befasst, müsste zumindest radikal eigenständig auftreten und dazu gesetzlich ermächtigt sein. Dafür müsste, schreibt Eva Blimlinger in ihrer Begutachtung, „inhaltliche Unabhängigkeit gegeben sein und eine eigenständige Anstalt öffentlichen Rechts gegründet werden“.

Der Gesetzesentwurf lässt die politische Unabhängigkeit vermissen. Das hat mit der ministeriellen Entscheidung zum künftigen Standort begonnen, wurde mit der Wahl eines Leiters für den konzeptuellen Beirat, dann mit der mangelnden Ausschreibung zur Architektur fortgesetzt und erreicht einen ersten Höhepunkt mit der Besetzung der wissenschaftlichen Gremien.

Ein Einfluss des Bundeskanzleramts auf den wissenschaftlichen Beirat ist nur schlecht getarnt. Zwei seiner sechs Mitglieder bestellt der Bundeskanzler und von diesen beiden muss eines für den Vorsitz gewählt werden. Ein drittes Mitglied ist der Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs, eine Dienststelle des Bundeskanzleramtes. Der wissenschaftliche Beirat nominiert unter anderem die Leitung des Hauses.

Wieviel?

Angesichts der akuten Budgetnot und dringend benötigter Gelder in allen Bereichen des Kulturbetriebs bleiben auch die Kosten für das Projekt nicht nebensächlich. Finanzierbar ist alles und sei es auf Pump mit Kreditrückzahlungen über viele Jahre in der Höhe der doppelten Bausumme. Für die Errichtung des Museumsquartiers wollte die Republik 116 Millionen Euro zahlen. Nach 15 Jahren mit einer jährlichen Rückzahlungsrate von 14,5 Millionen waren es zuletzt 217,5 Millionen Euro. Und weil alle im Kulturbereich Tätigen wissen, dass nur die minimalsten Auslagen genannt werden, heißt es auch dieses Mal auf der Hut sein und – aus der Geschichte lernen: Im Zuge der Baufortschritte entwickeln sich gerne auch die verbauten Summen. So geschehen im 21er Haus, in dem sich die Gesamtkosten der Generalsanierung von ursprünglich bedachten 18 Millionen auf monströse 30 Millionen Euro erhöht haben.

Für das Haus der Geschichte wurden zuerst 19,3 Millionen Euro berechnet. Minister Ostermayer wollte diese Summe über die Einsparung nach der Redimensionierung des Weltmuseums finanzieren. Die allerdings bringt maximal elf Millionen Euro.

19,3 Millionen? Der Betrag hat den Profis nur ein müdes Lächeln abgerungen. Im Gesetzesentwurf standen bereits 43,1 Millionen Euro. Der Rechnungshof hat diesen Betrag kritisiert, weil die Kosten nicht plausibel dargestellt waren. Und tatsächlich sind es in der nun vorliegenden Regierungsvorlage bereits 53,8 Millionen Euro.

Auch das Finanzministerium hatte schwere Bedenken. Vor allem blieb dem Ministerium schleierhaft, wie die Bedeckung aus dem Bundesmuseenbudget erfolgen soll, „wenn aktuell alle veranschlagten Mittel verplant sind“.

Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie der Bildenden Künste, errechnet einen Mindestbetrag von 86 Millionen Euro. Ihr fehlten unter anderem die Umsatzsteuer, die Bauzinsen und die Valorisierung der Kosten.

Zu den Errichtungskosten werden in der Regierungsvorlage ab 2019 jährlich anfallende Mittel für den laufenden Betrieb mit 3.6 Millionen Euro angegeben. Um diesen Betrag soll sich die Basisabgeltung der Österreichischen Nationalbibliothek erhöhen.

Das Haus der Geschichte soll nämlich Teil der Nationalbibliothek werden. Nachdem schon beim Weltmuseum die Angliederung an das Kunsthistorische Museum zum Ruin dieser Institution geführt hat, wird die Systematik der Bundesmuseen weiter durchrüttelt, anstatt sie zu vereinheitlichen. Offen dabei bleibt die rechtliche und budgetäre Selbständigkeit der Leitung des Hauses. Einen weiteren Frühstücksdirektor wie im Weltmuseum braucht niemand. Der darf nämlich ohne Genehmigung des Kunsthistorischen Museums nicht einmal an die Öffentlichkeit treten. So wie es aussieht, muss auch die Leitung des Geschichtehauses die Generaldirektorin der Nationalbibliothek um Erlaubnis fragen.

Auf wessen Kosten?

Beim konstant mageren Kulturbudget bindet die Umsetzung eines weiteren musealen Tankers als Prestigeprojekt in allen Fällen zusätzliche Ressourcen auf viele Jahrzehnte.

Zur Erinnerung: Der Betrieb eines vergrößerten Weltmuseums war von der ehemaligen Ministerin Schmied nicht kalkuliert worden. Ende 2014 hat der Kulturminister das Projekt daher vorzeitig gestoppt, weil zusätzliche Kosten von 2,3 Millionen Euro jährlich angefallen wären. „Wir müssen sparen. Man kann sich keinen Ferrari kaufen, wenn man sich nicht einmal die Erhaltungskosten leisten kann“, erklärte das Kulturministerium damals der Kronen Zeitung.

Wie aber kann für den Betrieb einer neuen Institution Geld da sein, wenn es für den Betrieb des alten fehlt? Und wenn Ostermayer die laufenden Kosten für das Weltmuseum nicht übernehmen wollte, weil sie von seiner Vorgängerin nicht budgetiert waren, wer übernimmt dann die jetzt nicht budgetierten Kosten für das Haus der Geschichte nach Ostermayer?

Seit 15 Jahren ist das Weltmuseum, damals hieß es noch Völkerkundemuseum, geschlossen. Das alleine ist schon himmelschreiend. Anstatt es zu einem Ort der Begegnung unterschiedlicher Kulturen zu machen, mit dem eine funktionierende kulturelle Vielfalt in Österreich unter Beweis gestellt hätte werden können, wurde es Jahr für Jahr weiter entwertet. Erst von Ministerin Gehrer, dann von Ministerin Schmied und jetzt von Minister Ostermayer. Erst wurde es dem Kunsthistorischen Museum einverleibt, dann finanziell ausgeblutet. Es hat seine Ausstellungsräume verloren und seine Präsenz wurde in der Öffentlichkeit verheimlicht.

Das Haus der Geschichte ist ein unnötiges Prestigeprojekt, das zu Lasten aller anderen Kultureinrichtungen und Kunstschaffenden gehen wird.