Grüne: Mehr Feingefühl gefragt
"Es ist traurig, wenn sich eine abgehobene Gesellschaft
nicht mehr um die sozialen Verhältnisse schert", sagt der
Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl zu Rabl-Stadlers Aussage
wonach es die Salzburger Festspiele überfordere, wenn man von ihnen
die Lösung der Armuts- und Flüchtlingsprobleme dieser Welt erwarten
würde.

"Lösungen", meint Zinggl dazu, "hat sich von den Salzburger
Festspielen noch nie irgendwer erwartet. Aber ein wenig mehr
Verständnis und Solidarität. Und vor allem ein bisschen Feingefühl.
Gerade dort, wo sich die Schere zwischen rasant anwachsender Armut
und einer betuchten Tischgesellschaft, die sich unter dem
Schutzmantel der Kunst jährlich ihr Stelldichein gibt, besonders weit
offen zeigt, muss mit einer Bettleroperette über die im Dunklen nicht
auch noch gespottet werden." 

Heute ist im Kurier ein Interview zum Abschluss der Festspiele
erschienen, mit dem Präsidentin Rabl-Stadler die BettlerInnen vor dem
Festspielhaus kritisiert. Aber, meint die Präsidentin, "unsere
Besucher haben die Konfrontation gut ausgehalten." 

"Weniger vornehm ausgedrückt hätte das wohl heißen sollen, Armut wäre
dem Publikum lästig, aber egal", meint Zinggl. "Und dann hebt Frau
Rabl-Stadler völlig ab und sagt, kein Bettler hätte etwas davon, wenn
die Festspiele in Konkurs gingen, denn dann wäre der Wohlstand dahin
und das wäre für die Bettler von Nachteil. Dieses Interview wäre mehr
als entbehrlich gewesen, ist aber leider das Markenzeichen eines
abgehobenen elitären Kunstmillieus. Wir freuen uns auch im kommenden
Jahr wieder auf den Jedermann", sagt Zinggl.