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06.06.2017

Warum ich neuerlich für den Nationalrat kandidiere

Vielleicht haben wir es heute weniger mit Parteien als mit Orientierungen zu tun, die einander in die Quere kommen. Mit Weltanschauungen, Daseinsentwürfen, Kulturen.

Da ist zum einen diese nationale Kultur: Leitmotive wie „america-first“ lassen sich leicht verarschen. Und doch denken auch hierzulande zu viele in vielen Fraktionen: „Österreich zuerst“.

Daneben haben wir diese andere, genauso wenig solidarische Ich-zuerst Kultur in den Parteien: weniger Steuern, weniger Sozialleistungen, Neoliberalismus. Sie ist für den Abbau des Wohlfahrtsstaates verantwortlich und stellt das Gemeinwohl hinter das Wohl der Wohlhabenden.

Wenn wir umverteilen wollen, brauchen wir viele andere, die das auch wollen. Davon ist Österreich leider weit entfernt. Zwar stinkt das neoliberale Modell in der öffentlichen Meinung zunehmend ab, aber gewachsene Denkmuster, jahrzehntelang eingeschädelt, lassen sich nicht von heute auf morgen ändern.

Ich möchte daher weiter an allen Glaubenssätzen rütteln, die eine solidarische Politik verhindern. Ich werde weiter aufzeigen, wie korruptionsanfällig Strukturen auch im Kulturbetrieb sind, die auf Eigennutz aufbauen. Wir werden diese Systeme weiter bloßstellen.

Seit vielen Jahren bin ich im Nationalrat für die Kulturpolitik der Grünen zuständig. Ich habe in diesem Bereich viel aufgedeckt und in Sachen Korruption ein radikales Umdenken herbeigeführt. Wer die Freiheit der Kunst mit der Freiheit verwechselt, anvertraute Ressourcen für den privaten Zweck umzuwidmen, muss den Hut nehmen. Wir kümmern uns darum.

Die Grüne Kultur zeichnet ein ausgeprägtes Unrechtsverständnis aus. Weil wir nicht nur Verantwortung gegenüber denen haben, die wie wir denken. Die keine Gewinne auf Kosten der Gemeinschaft oder der Nachhaltigkeit machen. Aber auch wir müssen uns bei der Nase nehmen und fragen: Haben wir  alles gemacht, was wir ursprünglich wollten und haben wir tatsächlich all das gewollt, was wir gemacht haben?

Die Grünen brauchen einen Kultursprecher, der für Umverteilung und Vielfalt steht.  Der Kunst und Kultur als Querschnittsmaterie für alle Bereiche sieht und gerade in Zeiten, wie sie jetzt auf uns zukommmen, Garant bleibt, für deren Erhalt.

18.04.2017

Museumsreform Finale: Für wen wird das alles gemacht?

Den Zugang zu Kunst und Kultur verbessern, das ist seit Jahren eines der zentralen Anliegen aller Regierungen. Die Bundesmuseen könnten dazu durchaus einen größeren Beitrag leisten als bisher. Immerhin ist die Vermittlung des kulturellen Erbes eine ihrer Kernaufgaben.

 

Abbau finanzieller Hürden

Hohe Eintrittspreise schaffen eine Barriere, die nicht alle übersteigen können oder wollen. Eine Familie zahlt im Belvedere zum Beispiel 40 Euro. Das ist keine unbeträchtliche Hürde für Finanzschwache. Gesetzlich müssten die Museen eigentlich  „die ihnen anvertrauten Zeugnisse (…) einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.“ Der freie Eintritt für Jugendliche und Kinder, sowie der Kulturpass (freier Eintritt für Menschen in Not) gehen dafür aber nicht weit genug.  Auch Ermäßigungen für Studierende sind keine wirkliche Erleichterung. Sie zahlen im Belvedere immer noch doppelt so viel  wie Studierende in Berlin für den Besuch der gesamten Museumsinsel mit ihren sieben Museen.

Eine Jahreskarte für alle Staatlichen Museen zu Berlin kostet 25 Euro. Die Jahreskarte für alle Bundesmuseen hierzulande gibt es nicht mehr.  Jahreskarten gibt es nur für jedes Museum extra.  Wer 365 Tage im Jahr alle Museen besuchen möchte, legt daher 228 Euro ab. Fast zehnmal so viel wie in den Staatlichen Museen zu Berlin. Englische Museen verlangen gar keinen Eintritt für ihre ständigen Sammlungen.

 

Niederschwelliger Zugang durch freien Eintritt

Der freie Eintritt an festgesetzten Tagen, etwa an einem Tag pro Monat, wäre eine Möglichkeit, um einer breiten Öffentlichkeit den Zugang zu Kunst und Kultur zu erleichtern. Freien Eintritt gibt es zurzeit nur am Nationalfeiertag.

Der freie Eintritt für Studierende wäre eine weitere  Erleichterung der jüngeren Generation im Rahmen des staatlichen Bildungsauftrags.

2007 stand der eintrittsfreie Tag pro Monat im Regierungsabkommen von SP und VP. Auf die Umsetzung warten wir nach wie vor. Personen mit geringeren Einkommen sollte der Bildungszugang nicht verwehrt werden.

 

Abbau geografischer Hürden

Es gibt aber auch ein geografisches Zugangsproblem. Mit Ausnahme des Schloss Ambras in Innsbruck sind bekanntlich alle Bundesmuseen in Wien.

Mittlerweile gibt es zumindest im Internet die Möglichkeit, große Teile der Exponate aus den Depots mit Bildern und Informationen zu erkunden.  Über Ausstellungen präsentieren die Museen ohnehin kaum mehr als fünf Prozent ihres Bestands. 95 Prozent lagern ungesehen in Depots. Die Digitalisierungsoffensive müsste mit Fachleuten aus den Museumswissenschaften, des Kommunikationsdesigns, der Pädagogik und der Verwaltung forciert und deutlich ausgebaut werden.

13.04.2017

Museumsreform Teil 3: Zur inhaltlichen Neuordnung der Bundesmuseen

Zweck und Aufgabe der Albertina ist per Gesetz die Sammlung und Präsentation von Zeichnung, Druckgrafik und Fotografie (§13 Museumsordnung). Diese inhaltliche Vorgabe spiegelt sich im Ausstellungsprogramm der Albertina kaum wider. Ihr Direktor, Klaus Albrecht Schröder sieht in den Abgrenzungen nur einen bürokratischen Zugang (Standard, 18.03.2017).

Andere wiederum kritisieren Ordnungsbemühungen als Eingriff in die angeblich „gewachsenen“ Strukturen. Sie vergessen allerdings, dass in die Museumslandschaft seitens der Regierenden seit ihren Anfängen vor 200 Jahren immer regulierend eingegriffen worden war. Das Gewachsene wurde freilich nach heute obsoleten Richtlinien – konstruiert.

Und das war gut. Das Palmenhaus ist für die Botanik, der Zoo für die Tiere zuständig.

 

Zeitgenössisches Wettfischen

Konzeptlosigkeit, Redundanzen und das unentwegte Schielen nach Massenpublikum führen nicht nur zu ähnlichen, profillosen Häusern. Die Museen konkurrieren einander auch noch. Sie präsentieren Ausstellungen, die weder zu ihren Mission Statements noch zur Museumsordnung, weder zu ihren Sammlungen noch zu ihren Namen passen. Auf der Jagd nach Blockbustern fischen die Direktoren und Direktorinnen in den Teichen der anderen. Im daraus resultierenden Gemischtwarenhandel bleibt die Beschäftigung zu jeder differenzierteren Thematik oberflächlich.

Beliebtester Fischteich ist die zeitgenössische Kunst. Die Österreichische Galerie zeigt Ai Wei Wei sowie Sterling Ruby und konkurriert damit das MUMOK. Die Albertina programmiert die Reihe „Albertina Contemporary“. Das Kunsthistorische Museum unterhält im Theseustempel eine Ausstellungsreihe „Zeitgenössische Kunst“ und selbst das Naturhistorische Museum präsentiert in seiner Mineraliensammlung junge, zeitgenössische Kunst. Vom Leopoldmuseum ganz zu schweigen. Für so viel Ähnliches ist Österreich zu klein. Vor allem aber werden Lücken in wichtige Themenbereiche gerissen, um die sich niemand kümmert.

Die Dauerleihgabe der Sammlung Essl an die Albertina ist der jüngste Beweis thematischer Beliebigkeit. Diese Reste einer Sammlung aktueller, österreichischer Kunst müssten, der Museumsordnung entsprechend, im MUMOK und im 21er Haus (wenn überhaupt), Platz finden.

Für dieses offensichtliche Foul erhält die Albertina vom Minister aber auch noch eine höhere finanzielle Basisabgeltung. Als Verantwortlicher für die Regulierung, als Garant für das Vermeiden von unnötiger Konkurrenz und Redundanz hat Thomas  Drozda mit dieser Entscheidung versagt.

 

Planlose Eingliederungen

Die unfruchtbare Konkurrenz ist aber nur eine kulturpolitische Fehlentwicklung. Eine andere zeigt sich in den völlig unsinnigen und unnötigen Eingliederungen.

Warum wurde das 21er Haus zu einer Abteilung der Österreichischen Galerie im Belvedere? Warum musste das Theatermuseum 2001 Teil des Kunsthistorischen Museums werden? Oder das Museum für Völkerkunde mit seiner herausragenden Sammlung ethnologischer Exponate?  Von 2004 bis 2007 wurde es umgebaut, danach war kein Geld mehr da, die Aktivitäten mussten auf  1000qm begrenzt werden. Seit 2013 heißt die mittlerweile verkümmerte Institution mit weltweit einer der größten Sammlungen ethnologischer Exponate –  Weltmuseum!  Nur anderthalb Jahr später wurden die Tore des Weltmuseums aufgrund einer Redimensionierung wieder geschlossen. Der damalige Kulturminister Josef Ostermayer  musste ein „Haus der Geschichte“ in die Räumlichkeiten integrieren. Als Teil der Österreichischen Nationalbibliothek. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

 

Zusammenführen was zusammengehört

Eine sinnvolle Museumsreform kommt nicht ohne Neuordnung der Landschaft aus. Zurzeit gibt es keine koordinierte Sammlungs- und Ausstellungspolitik. Ich habe daher einen Vorschlag zur besseren Kategorisierung ausgearbeitet.

Die Details gibt es hier.

Dieser Vorschlag ist nur einer von vielen.  Es gäbe auch ganz andere vernünftige Ordnungskriterien. Nur so, wie es jetzt ist, darf es nicht bleiben.

 

Nach Ostern wollen wir uns zum Abschluss ansehen, für wen das alles gemacht wird.

12.04.2017

Museumsreform Teil 2: Wie können Fehlentwicklungen laufend korrigiert werden?

Warum die Aufsichtsräte der Museen Kuratorien heißen, weiß niemand. Vielleicht, weil sie nicht ganz wie richtige Aufsichtsräte agieren. Zwar sieht das aktuelle Museen-Gesetz Analogien der Kuratorien zum GmbH-Gesetz vor. In der aktuellen Rechtslage können sie ihrer Rolle aber nicht gerecht werden. Einerseits soll das Kuratorium die Geschäftstätigkeit des Museums laufend prüfen, andererseits fehlen ihm dafür die rechtlichen Möglichkeiten.

Natürlich könnte die Kontrolle auch vom Ministerium übernommen werden. Aber entweder übernimmt das Ministerium die Aufsicht und damit die Verantwortung, oder die Geschäftsführungen der Museen werden von unabhängigen Fachleuten kontrolliert.

Die aktuelle Form ist eine hybride, zahnlose Mischung. Ohne Hörner werden die Kuratorien lediglich zu Prellböcken, die dafür herhalten müssen, wenn etwas schief geht. Bei Unregelmäßigkeiten schaffen sie der Regierung eine Möglichkeit, die Verantwortung abzuschieben.

 

Negativbeispiel Burgtheater

Wie eine „tibetanische Gebetsmühle“ hat der ehemalige Budgetsektionschef im Finanzministerium, Gerhard Steger, als Aufsichtsrat in der Bundestheater Holding Konsolidierungsmaßnahmen eingefordert. Nicht nur für das Burgtheater. Für alle Bühnen. Warum wartet die Geschäftsführung, bis der Karren an die Wand fährt? Warum ergreift sie  keine Maßnahmen, um die Budgets mittelfristig zu sichern? Er konnte nur warnen. Sonst nichts. Das Burgtheater ist an die Wand gefahren.

 

Wie sieht effektive Kontrolle aus?

Für die effektive Kontrolle braucht das Kuratorium Kompetenzen und Aktionsmöglichkeiten. Zu allererst müsste es für die Genehmigung des Jahresabschlusses zuständig sein.

Es müsste sodann bei der Bestellung der Geschäftsführung stärker eingebunden werden. Die Auswahl könnte, von der jetzt aktuellen Einzelentscheidung des Ministers abweichend, nach Beratungen im Kollegialorgan unter Beteiligung des Ministers erfolgen. Das würde die Findungskommissionen überflüssig machen, die für ihre Vorschläge ja nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Um ihrer Verantwortung gerecht werden zu können, sollten die Kuratoriumsmitglieder weiters adäquat entlohnt werden. Sie müssen umgekehrt aber auch haftbar sein.

Für all das reicht ein Gremium mit maximal fünf Mitgliedern, die sich aus ihrer Mitte den Vorsitz wählen. Diese Fünf allerdings müssen nach fachlichen Kompetenzen und unabhängig von Regierung und Geschäftsführung ernannt werden.

Modalitäten zur Besetzung, wie sie bei den Universitätsräten in der Wissenschaft gesetzlich ist, wäre eine Variante zur Verbesserung der Situation. Denkbar wäre aber auch ein Pool an entsprechend qualifizierten Persönlichkeiten, die per Losentscheid den Aufsichtsorganen der einzelnen Museen zugeteilt werden. Wer in den Pool kommen kann, muss durch einen klaren Kriterienkatalog geregelt sein.

 

Im Newsletter morgen beschäftigen wir uns mit der inhaltlichen Ordnung der Museumslandschaft: Wo wird was geboten und wer reguliert im Interesse einer Gesamtstrategie?